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"Heilige" wollen Heyer testen
20.06.2003
Überragend viele Einsatzzeiten hatte Footballer Peter Heyer beim Europaliga-Finalisten Rhein Fire auch in seinem zweiten Jahr nicht. Dennoch: Der 1,93 Meter große, 141 Kilogramm schwere Offensive Guard scheint für die NFL interessant genug. Die New Orleans Saints wollen den 23- jährigen gebürtigen Kölner zum Traininscamp nach Louisiana eingeladen und testen.
Abwehrrecke Bastian Lano und Defensive Back Richard Yancy hoffen noch auf ein NFL-Team. Fire- Cheftrainer Pete Kuharchek und Manager Alexander Leibkind wollen ihre Verbindungen nutzen, um den beiden Nationalspielern eine Präsentationsmöglichkeit in einem der Trainingslager zu verschaffen.
In diesem Jahr sind vor allem die Kicker aus der Europaliga in den USA gefragt. Frankfurts Ralf Kleinmann testet bei Super-Bowl-Titelverteidiger Tampa Bay Buccaneers, Amsterdams Stammkicker Silvio Diliberto versucht sich bei den Philadelphia Eagles. Und der Schotte Rob Hart will sich bei den Miami Dolphins durchsetzen. (miry)



Venzke traurig - Lano wütend
16.06.2003
Emotionaler Rhein-Fire-Abschied nach der World-Bowl-Niederlage gegen Galaxy in Glasgow.
Jetzt sind sie weg. Nach einer Nacht in der Nähe des Frankfurter Flughafens hat sich die Rhein-Fire-Mannschaft in alle (amerikanischen) Winde zerstreut. Lediglich die Nationals blieben in Deutschland. Ausnahme: Patrick Venzke. Der düste zu seiner Verlobten Willow nach Idaho. Dort steigt in zwei Wochen die Hochzeit. Gefolgt von einer Karibik-Kreuzfahrt. Die Gedanken des Offensive Liners kreisen noch mehr um seine neue NFL-Chance. Bei den Indianapolis Colts, wo in fünf Wochen das Trainingslager und die Vorbereitung auf die am 4. September mit dem Match Washington Redskins gegen New York Jets startende 38. Saison läuft.
Venzke hatte sich bei den Jacksonville Jaguars und den Philadelphia Eagles nicht durchsetzen können. Bei den Colts scheint die Konkurrenz in der vordersten Angriffslinie nicht so groß zu sein.
Sehr gut möglich, dass der sympathische Essener 142-Kilo-Brocken am Samstag im Hampden Park sein letztes Match für Rhein Fire gemacht hat. "Man soll nie nie sagen. Aber im Moment sieht es so aus, als wäre das Kapitel Rhein Fire nach zwei verlorenen Finals zuende", erklärte der 28-Jährige mit Tränen in den Augenwinkeln.
Verbaler Klosettgang
Eher wütend denn traurig präsentierte sich Abwehrriese Bastian Lano nach der 16:35-Pleite gegen Frankfurt Galaxy. Der 27-Jährige benutzte sogar den verbalen Klosettgang: "Acht Spiele war ich mit mir sehr zufrieden. In Frankfurt lief es dann scheiße, gegen Barcelona auch, im Endspiel war es sogar superscheiße. Ich hatte das Gefühl, das Tackeln gegen den Gegner völlig verlernt zu haben. Verdammter Mist!"
Der Frust richtete sich bei Ex-Panther Lano aber nicht nur gegen das eigene Können. "Die Saison war ein Beweis dafür, dass man als National keine echte Starterchance bei Rhein Fire bekommt. Egal, wie gut man ist." Obwohl "Meister Proper" mit 6,5 Sacks gegen die gegnerischen Spielmacher zu gefallen wusste, standen stets die US-Boys am Anfang eines jedes Matches auf dem Rasen. "Das frustriert und nervt." Eine Kritik auch an Defensiv-Cheftrainer Ed O´Neil.
Ob Lano trotz allem eine Chance erhält, in das Trainingslager eines NFL-Teams eingeladen zu werden? Eine positive Antwort scheint von (zu) viel Hoffnung getragen.
Kuharchek will Cheftrainer bleiben
Kicker Ingo Anderbrügge, der eine gute Debütsaison mit acht verwandelten Feldtoren von neun Versuchen sowie 19 (von 21 möglichen) Extrapunkten gleich 43 Gesamtzähler hinlegte, dachte darüber nach, die meisten seiner Kameraden der vergangenen vier Monate so schnell nicht wiederzusehen. "Ich habe eine Liste mit Telefonnummern, um den einen oder anderen mal anrufen zu können", erklärte der 38-Jährige sichtlich traurig.
Ein Live-Spiel in Amerika hat der Leiter einer Fußball-Schule zwar nicht in seiner Jahresplanung drin. "Im Fernsehen werde ich die NFL aber sicher verfolgen." An die "tolle Zeit" will er im neuen Jahr anknüpfen: "Wenn Fire weiter spielt, bin ich dabei."
Das gilt offenbar auch für Cheftrainer Pete Kuharchek. "Sollte nicht ein NFL-Angebot kommen, kehre ich auf jeden Fall zurück", bekräftigte der 55-Jährige, der gewöhnlich in Florida lebt. Manager Alexander Leibkind will den Defensivspezialisten behalten. Und betonte vor dem Finale in Glasgow: "Ein erster, ein zweiter, ein dritter Platz, zweimal eine Finalteilnahme: Das ist doch eine gute Visitenkarte."
Die Entscheidung, wer Cheftrainer bei Fire in der Saison 2004 wird, trifft allerdings immer noch die NFL - in Absprache mit Leibkind freilich.
MICHAEL RYBERG



Überrollt im Kugel-Kampf
15.06.2003
WORLD BOWL XI / Fire blieb gegen Galaxy chancenlos. Die Abwehr war zu schwach, der Angriff ohne Vollstrecker.
Grund zum Feiern gab es am Samstagabend nicht. Grund zum Biertrinken schon. Als Fire- Cheftrainer Pete Kuharchek sich gegen 23 Uhr mit seinen Kollegen im Licht gedämpften Pub des Glasgower Thistle Hotel auf (mindestens) ein 0,47 Liter fassendes Pint Tennent´s-Lager-Pils niederließ, da schienen die Eindrücke der vergangenen Stunden wie schmutzige Abziehbilder vor den Augen aller zu kleben. Rot-weiß-blaue Papierschnipsel schossen aus Druckluftrohren das ovale Tribünendach des Hampden Parks hinauf. Die Spieler der Frankfurt Galaxy stemmten im Konfettiregen die 18,6 Kilogramm schwere World-Bowl-Kugel. Zum dritten Mal im fünften Finalanlauf. Die Rhein-Fire-Cracks schlurften zeitgleich aus der Kabine quer über den Rasenteppich, an den Siegern vorbei, um ihren vielleicht 400 Tribünenfans den letzten Saison- Besuch abzustatten.
Der Favorit spielte fehlerfrei
16:35 (3:11, 6:14, 0:7, 7:3) hörte sich aus Fire-Sicht noch netter an als es war. Der fehlerfreie Favorit dominierte den Außenseiter, lag vom Start weg in Führung, spielte mutig und gekonnt nach vorn. Lief gegen die schwache Fire-Defensive leicht und locker, brachte die Zuspiele selbst unter Druck klasse an den Mann.
"Ähm!" räusperte sich Coach Kuharchek zwischen Konfettiregen und T-Bier vor dem Pressekonferenzmikrofon. "Ähm!" sagt der frühere Linebacker immer, wenn er keine schnelle Antwort parat hat und Zeit gewinnen will. "Wir haben viele, viele Yards gemacht, aber keine Punkte. Unser Angriff war o. k., die Abwehr ohne echten Mittellinebacker eher schlecht." Vier Defensivliberos hatte Fire im Laufe der Saison wegen Verletzung verloren. Eine Schwächung durch Pech.
"Wenn-und-Aber"-Floskeln waren nach einem der klarsten World-Bowl-Siege kaum ernsthaft angesagt. Den Kick-off-Böller aus der königlichen Kanone nahmen die Frankfurter zum Anlass, wie vor zwei Wochen den Rivalen in Grund und Boden zu stampfen. Die Fire-Cracks halfen mit, weil sie dem Offensiv-Feuerwerk nichts entgegensetzen konnten. Zweimal pfiffen die Referees gegen den Außenseiter Pass-Interference. Ligon und Gaines verhinderten per Foul in der eigenen Endzone jene Touchdowns, die dann im nächsten Spielzug aus Kurzdistanz fällig wurden.
Dreimal kurz vor der Endzone versagt
Im Fire-Angriff schafften es die Spielmacher Rolovich (aus 1 Yard und 3 Yards Entfernung) und Greisen (4 Yards) dreimal nicht, die Galaxy-Endzone zu erobern. Die letzte der drei Chancen versemmelte Rolovich gar mit einem Interception-Fehlpass. Voraufgegangen war eine Fünf-Yards- Strafe wegen Spielverzögerung! Da stand es schon 9:32 gegen Fire.
Dazu gesellte sich ein überworfener Punt. Center McKibben hatte Punter Tayler das Ei über die fangbereiten Arme gepfeffert. Der Kicker von den Cleveland Browns bekam den Ball nicht mehr zu fassen. Was Galaxy Sekunden später wieder zum Touchdown nutzte.
Fire-Cheftrainer Kuharchek kaute das komplette Pleitenprogramm kurz vor Mitternacht an der Theke durch. Sein alter Kumpan Ronald "Whitey" Jordan diskutierte mit, auch Defensivchef Ed O´Neil. Der verbot sich, herumzumäkeln: "Unsere Abwehr war von Anfang nicht hochklassig. Wir haben aus der Saison das Beste gemacht." Was ordentlich war.
Die Enttäuschung bei den Spielern schien größer. Nationalverteidiger Bastian Lano meinte schwer angeschlagen: "Die Galaxy war klar besser. Unser Angriff hat einiges an Unvermögen gezeigt, die Abwehr allerdings auch."
Patrick Venzke standen auf dem Hampden-Rasen die Tränen in den Augenwinkeln. "Es ist hart, zweimal hintereinander den World Bowl zu verlieren", stammelte der Offensive Liner. Schon 2002 beim 20:26 gegen Berlin im Rheinstadion war der gebürtige Essener dabei. Ob es das letzte Fire-Match für Venzke war, der bei den Indianapolis Colts Mitte Juli ins Trainingslager geht? "Man sollte nie nie sagen."
MICHAEL RYBERG aus Glasgow



Finale 2004: Berlin ist Leibkinds Favorit
15.06.2003
EUROPALIGA-ZUKUNFT / Chef Tagliabue denkt an Expansion - wegen neuem NFL-TV.
Wie geht es mit der Football-Europaliga weiter? Die alljährlich gestellte bange Frage der Anhänger wusste NFL-Chef Paul Tagliabue vor dem Kick off des World Bowls in Glasgow zwar auch nicht vollständig zu beantworten. Gab allerdings vor der Sitzung der 32 NFL-Teambesitzer am 17. September in New York die grobe Richtung vor: "Ich gehe fest davon aus, dass die Liga ein wichtiger Bestandteil bleibt. Wir sind zweifelsohne mit der NFLE sehr zufrieden."
Ob diese Aussage auch wirklich alle Teambesitzer unterschreiben würden, das sei dahingestellt. Tagliabue sprach erstmals seit der Saison 2000 wieder die angedachte Expansion der Europaliga an. "Hamburg, Köln und Madrid haben Interesse daran, ein neues Team zu beherbergen. Gut möglich, dass die Liga 2005 ein anderes Format bekommt." Düsseldorf scheint bei einer Erweiterung der NFLE um mindestens zwei Teams als neuer, alter Standort gesetzt.
Hintergrund: Die NFL will offenbar Ende diesen Jahres ihren eigenen Fernsehsender in Betrieb nehmen und 24 Stunden, sieben Tage lang über Football berichten. Die Europaliga mit einer verlängerten Saison könnte ein (Sommer-)Bestandteil des Senders sein.
Übrigens: Im Rennen um die Austragung des World Bowls 2004 könnte Berlin vorn liegen. "Wir müssen in Gelsenkirchen noch mehr Fanpotenzial aufbauen. Vielleicht kommt ein World Bowl da um ein Jahr zu früh", erklärte Rhein-Fire-Manager Alexander Leibkind in Glasgow. Die Entscheidung fällt im Spätsommer. (miry)



Rather Straße 49 a bleibt geöffnet
10.06.2003
Rhein Fire verlängerte auslaufenden Mietvertrag für die Düsseldorfer Geschäftsstelle. Manager Leibkind sieht die Existenz der Europaliga nicht gefährdet.
Viel Aufwand, wenig Routine, eine Menge Unvorhergesehenes. Denkt Rhein-Fire-Manager Alexander Leibkind an die erste Saison nach dem Football-Umzug von Düsseldorf in die Arena Auf Schalke, dann fallen dem früheren Judo-Olympiateilnehmer fast nur Schweißtropfenthemen ein - im Gespräch mit der NRZ.
NRZ: Fire musste umziehen. Zogen die Fans mit?
Leibkind: Ja und nein. Wir haben viele Zuschauer aus der Ruhrregion gezogen. Ein Drittel der Besucher kam aber noch aus Düsseldorf und Umgebung. Der Football-Standort Schalke ist auf Dauer machbar.
NRZ: Die absolute Durchschnittszahl liegt nur bei 30 500 Fans. Doch eine Enttäuschung?
Leibkind: Mehr ist möglich. Unzufrieden darf aber niemand sein, weil es für Fire in Gelsenkirchen ein Neuanfang war. Ich bin mir sicher, dass Schalke aufgrund der umfangreichen Catering-, VIP- und Marketingrechte kein Minus gemacht hat. Auch wenn die anvisierten 35 000 im Schnitt nicht gekommen sind.
NRZ: Welche These ziehen Sie aus der Startsaison?
Leibkind: Schalke hat sich jetzt schon verselbstständigt.
NRZ: Könnte auch neben einem Football-Standort Düsseldorf existieren?
Leibkind: Das ist mein großes Ziel für die Saison 2005.
NRZ: Steht eine Liga-Expansion eigentlich zur Debatte?
Leibkind: Das ist frühestens nach Ende der Saison 2004 ein Thema. Die NFL wird noch abwarten, wie die nächste Spielzeit verläuft.
NRZ: Bleibt Fire eigentlich mit seiner Geschäftsstelle an der Rather Straße 49 a?
Leibkind: Wir haben den auslaufenden Vertrag um ein Jahr verlängert.
NRZ: Es mehren sich wieder Stimmen, die Europaliga sei in Gefahr, würde 2004 nicht mehr ausgetragen.
Leibkind: Alles Spekulation! Weil die NFL doch mit dem Irak-Krieg ein großes Argument gehabt hätte, die Liga sofort zuzumachen, wenn denn so viele unzufrieden wären. Das ist aber nicht passiert.
NRZ: Dennoch steht die NFLE beim Treffen der 32 NFL-teambesitzer im September wieder zur Debatte.
Leibkind: Als einer von vielen Tagungspunkten. Eine normale Sache. Weil wir ein Teil der NFL sind, werden wir auch auf den Prüfstand gestellt. Ich bin mir hundert Prozent sicher, dass die Liga weiter geht.
NRZ: Was wäre Ihr Wunsch für die neue Saison?
Leibkind: Dass alle Teams, nicht nur Fire und Frankfurt Galaxy, über 20 000 Zuschauer im Schnitt ziehen. Das ist mit Ideen machbar. Man muss nur wesentlich mehr versuchen als bisher. Vor allem in Amsterdam und in Berlin.
NRZ: Auch in Barcelona, wo teilweise ja nur 4000 Zuschauer im Mini Estadi Eintritt zahlten?
Leibkind: Eine Patentlösung habe ich da auch nicht. Ein Team in Madrid würde allerdings eine spanische Rivalität schüren und möglicherweise den Standort Barcelona retten.
NRZ: Steigt der World Bowl 2004 auf Schalke?
Leibkind: Das entscheidet sich erst im Spätsommer. Außer Schalke und vielleicht Berlin gibt es aber sicherlich keine Kandidaten.
MICHAEL RYBERG



Das Feuer brennt im Hampden Park
09.06.2003
Rhein Fire nach fünfter World-Bowl-Teilnahme außer Rand und Band. Samstag wartet Galaxy.
Die eigentliche Sensation eines großen Football-Abends in der Arena Auf Schalke bemerkten nur jene Fans unter den 28 000, die mit Sehstärke Null ausgestattet sind. 76 Sekunden vor dem Ende des letzten Saisonvorrundenspiels gegen die Barcelona Dragons nahm Mike Jones tatsächlich seine Sonnenbrille von der Nase. Das tut der eitle Coach nichtmals im U-Bahn-Tunnel. Dem Offensivchef des Europaliga-Zweiten Rhein Fire blieb am Samstagabend allerdings keine Wahl mehr. Seine Cracks hatten dem ehemaligen NFL-Passempfänger von Minnesota und New Orleans eine klebrige Eimerdusche aus orangenem Gatorade und Eiswürfeln verpasst.
Da blieb selbst die Spiegelbrille im Astronauten-Design nicht trocken. Eine von ungezählten Freudenszenen, die sich nach dem souveränen 33:7 (3:0, 23:0, 0:0, 7:7)-Heimerfolg und der damit verbundenen fünften World-Bowl-Qualifikation im Sauna warmen Arena-Klotz abspielten. Fire gegen Frankfurt Galaxy heißt es damit im elften Europaliga-Finale am kommenden Samstag im Glasgower Hampden Park.
Der Rasta verfilzte Defensive-Line-Brocken Jesse Warren stand mit einer der vielen Rhein-Fire- Fahnen exakt auf dem Mittelpunkt des Spielfeldes, rammte den langen Holzstiel in den Rasen und stellte sich zum Foto fürs Familienalbum: Schalke ist unser Territorium! Die Passempfänger Kendall Newson, Emmett Johnson und Charlie Adams rapten mit Sprechgesang im kleinen Kreis wie eine Gruppe 14-Jähriger US-Boys, die gerade in die Sommerferien startet.
"Man braucht auch mal Glück"
Weniger theatralisch per Ehrenrunde feierten die übrigen Träger der Burgunderhemden, die nass waren wie aus der Waschmaschine gezogen. Kicker Ingo Anderbrügge, der ein Feldtor und einen Extrakick versiebt hatte, herzte Alexander Leibkind. "Man braucht auch mal Glück", presste der strahlende Manager hervor. Sichtlich eingefangen von der ohrenbetäubenden Stimmung nach dem Berliner 27:14-Heimsieg über die Frankfurter und den dadurch gesicherten zweiten Tabellenplatz für Rhein Fire.
"Wir haben uns zum ersten Mal in dieser Saison von A bis Z als ein Team präsentiert. Jetzt wird ein bisschen gefeiert. Und ab Sonntag knöpfen wir uns dann die Galaxy vor. Wenn der Tabellenletzte die Frankfurter schlagen kann, dann können wir das auch", versicherte Passempfänger Kendall Newson.
Der erlief am Samstag gegen hoffnungslos unterlegene Drachen seinen sechsten Touchdown mit einem 67-Yards-Punt-Return-Sprint. Exzellent frei geblockt von den Kameraden. Der Miami Dolphin dürfte sich wie auf der Autobahn für Football-Flitzer gefühlt haben.
National-Verteidiger Bastian Lano humpelte, lächelte aber trotztdem: "Wahnsinn, dass wir gegen die Galaxy eine Revanchechance bekommen. Hoffentlich kann ich mitmachen." Der rechte Knöchel war angeschwollen. "Da ist mir gleich im zweiten Angriffszug einer draufgesprungen."
Kuharcheks Dank an Berlin Thunder
Der gebürtige Essener Patrick Venzke fand, dass "unsere Fans endlich mal richtig tollen Fire- Football gesehen haben. Gute Läufe, schnelle Pass-Spiele, eine starke Verteidigung, gute Special-Teams". Dass die vor allem in der Defensive verletzungsgeschwächten Gäste wieder harmlos agierten, schmälerte die starke Gesamtleistung nur bedingt.
"Wir haben uns nach der demütigenden Pleite in Frankfurt noch einmal richtig den Arsch aufgerissen. Ich bin stolz auf unser Team und danke den Berlinern für ihre Schützenhilfe", erklärte Chefcoach Pete Kuharchek aufgelöst. Aber frisch geduscht, nachdem auch er vor den Wassereimern der Spieler nicht mehr hatte flüchten können.
MICHAEL RYBERG



75-Prozent-Chance auf Hampden Park
07.06.2003
Rhein-Fire-Coach Kuharchek klammert sich an Statistik. Heute Heimspielabschied gegen die Barcelona Dragons.
Pete Kuharchek macht das, was am Sport interessierte Amerikaner überaus gern machen. Nämlich Statistiken studieren. Der Cheftrainer von Football-Europaligist Rhein Fire klammert sich geradezu an den Zahlenwust. Und der spuckt für die Burgunderhemden doch tatsächlich eine 75-prozentige Finalchance aus. Nur zweimal in bisher acht NFLE-Spielzeiten verpassten nämlich Teams das World-Bowl-Finale, die 6:4 Siege in der Endabrechung aufwiesen.
Einmal, 1999, guckte Fire in die Röhre. Ein gewisser Kicker namens Kleinmann schoss für Galaxy gegen den zweiten Finalteilnehmer Barcelona im letzten Vorrundenmatch viermal daneben, erzwang damit wegen der 26:28-Niederlage einen Dreiervergleich, der die Düsseldorfer aus dem ersten von zwei Rheinstadion-Finals schleuderte.
alaxy-Niederlage ist wahrscheinlicher
Fire würde mit einem Heimerfolg heute (19.05 Uhr, Arena Auf Schalke) über die Barcelona Dragons auch wieder bei 6:4 stehen. Bräuchte wie damals fremde Hilfe. Spitzenreiter Frankfurt müsste mit oder trotz Kleinmann in Berlin zeitgleich verlieren. Oder die Scottish Claymores patzen morgen in der Spielstätte des World Bowl XI vom 14. Juni, nämlich dem Hampden Park, gegen Amsterdam. Was niemand glaubt.
"Ich wette keinen Cent gegen ein Team. Denke aber, dass eine Galaxy-Niederlage die wahrscheinlichere Variante ist. Frankfurt wird in Berlin nicht volle Pulle spielen", glaubt Kuharchek. Mit seinem Thunder-Kollegen Peter Vaas hat er in dieser Woche nicht telefoniert. "Berlin will auf jeden Fall nicht mit 2:8 Siegen abschließen. Die sind motiviert genug", so der Fire-Trainer.
Sollte die Galaxy-Rechnung heute allerdings schiefgehen, greift Kuharchek trotzdem zum Hörer. "Dann rufe ich meinen Freund Bart Andrus an." Der frühere Tennessee Titan ist Cheftrainer der Amsterdamer, war in der Saison 2000 für die Fire-Quarterbacks erfolgreich zuständig.
Voraussetzung für jene Rechenspielchen ist allerdings ein Fire-Erfolg über die Dragons. Die sich zuletzt ähnlich wie Fire ohne Feuer präsentierten: 13:47 gegen Frankfurt, 7:45 gegen die Schotten. Jeweils im Heimspiel. Zum Vergleich: 7:38 und 0:33 hieß es aus Fire-Sicht gegen Galaxy und die Claymores.
"Mein Team war nach den beiden jüngsten Desastern verdammt geknickt. Das Donnerstagtraining lief allerdings sehr gut. Ich habe den Jungs verdeutlicht, dass wir weder ein schlechtes Team sind, noch ein 6:4-Abschluss mies wäre. Unsere Finalchance motiviert zusätzlich", betont Kuharchek.
MICHAEL RYBERG



Fire-Coach Kuharchek: "Galaxy war klasse, wir waren grausam"
01.06.2003
Nach der 7:38-Blamage in Frankfurt können die World Bowl-Träume nur noch durch "Schützenhilfe" in Erfüllung gehen. Patrick Venzke: "Ich bin leer und sprachlos."
90 Prozent Siegquote für Rhein Fire stand vor dem 20. Deutschland-Derby der Football- Europaliga bei Frankfurt Galaxy auf dem Papier. Das ist allerdings erstens geduldig und zweitens dazu da, um gelegentlich zerrissen zu werden. Die Galaktischen schickten die Statstik gestern Nachmittag eindrucksvoll in den Football-Himmel. 7:38 (0:0, 0:21, 0:7, 7:10) hieß es aus Fire-Sicht. Ein Desaster, eine Blamage, aber nicht das Ende der World-Bowl-Träume. Um am 14. Juni im Hampden Park zu Glasgow auflaufen zu dürfen, bedarf es jedoch fremder Hilfe.
Fire muss Barcelona schlagen. Die Grundvoraussetzung. Eine von zwei Hilfen muss hinzukommen: Entweder verliert Schottland gegen Amsterdam. Dann hätte Fire einen Sieg Vorsprung vor den Claymores. Oder die Galaxy patzt in Berlin, was zu einem Dreiervergleich mit Fire und Claymores führen würde. Hieße: Frankfurt Erster, Fire Zweiter!
Zu kompliziert? Eigentlich dürfte nach einer wie zuletzt in Glasgow beim 0:33 unfassbar schwachen Vorstellung niemand mehr über eine Finalteilnahme schwafeln. Cheftrainer Pete Kuharchek fielen Erklärungen schwer: "Galaxy war klasse, wir waren grausam."
Erste Halbzeit war eine einzige Panne
Die erste Halbzeit war aus Fire-Sicht eine einzige Panne. Nichts klappte. Quarterback Nick Rolovich verstand im Trillerpfeifen-Krawall die Spielzuganweisungen offenbar nicht, Kollege Chris Greisen schien eine Schlaftablette geschluckt zu haben, warf das Spielgerät streckenweise wie ein Schüler. Mickrige zwei Yards Raumgewinn in des Gegners Zone wurden nur noch von der Defensive getoppt. Die fraß im zweiten Viertel drei Touchdowns.
Eine Pass-Interference-Strafe von schlappen 42 Yards gegen Cornerback Teddy Gaines leitete die Galaxy-Führung ein. Für den zweiten Touchdown wählte Cheftrainer Doug Graber die mutige Variante. Vierter Versuch und ein Yard bis in die Endzone: Da pfiff der Ex-Defensivtrainer der Tampa Bay Buccaneers seine Kicker-Crew um Ralf Kleinmann zurück, ließ den Versuch spielen. Lohn: sieben statt drei (Feldtor-)Punkte.
Der dritte galaktische Stich war eine Augenweide: 61-Yards-Pass von Quinn Gray auf Marc Leister. Es schien fast, als hätte die Fire-Abwehr vergessen, was es heißt, Druck auf den gegnerischen Spielmacher auszuüben. Der 106-Kilo-Werfer aus Jacksonville jedenfalls hatte zehn Sekunden Zeit, um seinen Pass anzubringen.
Spätestens nach dem vierten Touchdown war die Partie gelaufen. Die geschlagenen Gäste flüchteten am Ende im Sprint zur Kabine. Offensivbrocken Patrick Venzke presste nur noch heraus: "Nach einer solchen Pleite bin ich leer und sprachlos."
MICHAEL RYBERG aus Frankfurt



Whites Chance, Mustards Trauer
27.05.2003
Dallas Cowboys wollen Fire-Trainer. Tight End spielt für verstorbenen Vater.
Möglicherweise macht sich die gute Arbeit für Football-Europaligist Rhein Fire noch in Dollar- Noten bezahlt. Defensive-Backs-Coach Adrian White wird im Sommer als Assistent in den Trainerstab der Dallas Cowboys wechseln. Der frühere Safety der New York Giants hat jedenfalls das Angebot bekommen, ab Mitte Juli im Trainingslager mitzuarbeiten.
In die NFL will Chad Mustard auch. Mit seinen 198 Zentimetern Größe und gut 130 Kilo Lebendgewicht sieht er wie ein sehr sehr groß geratenes Kind. Da er derzeit jedoch meist eher melancholisch und ein wenig unsicher über seine Drei-Tages-Bartstoppel guckt, weckt der Football-Profi von bei allen Damen (spätestens) jenseits der 30 trotzdem den Mutter-Instinkt.
"Ich wollte eigentlich dieses Jahr nicht nach Deutschland zurückkehren", sagt der 25-Jährige mit leiser Stimme, "aber jetzt bin ich froh, dass ich es getan habe." Vor knapp zwei Wochen erhielt der Mann, dessen Name auf Deutsch schlicht 'Senf' heißt, die böse Botschaft. Daheim in North Dakota war überraschend sein Vater gestorben. Natürlich flog der Tight End sofort nach Hause: "Ich musste meiner Mutter beistehen, ihr in dieser schwersten Zeit helfen."
Fire suchte und fand Ersatz mit Ryan Prince, der von Berlin Thunder 'ausgeborgt' wurde, und beim 34:27 in Amsterdam gleich mitmischte. Doch der wurde drei Tage später wieder zurück in die Hauptstadt geschickt. Mustard kehrte an den Rhein zurück. "Ich wollte bei ihr bleiben, aber meine Mutter hat gedrängt, ich solle Football spielen." Das letztlich entscheidende Argument: "Sie hat gesagt, mein Vater hätte es so gewollt."
Alle zwei Stunden auf die Toilette
Bei der Rückkehr waren der Jetlag und eine heftige Darmgrippe im Handgepäck. Obwohl Chad nur im Zwei.-Stunden-Rhythmus schlief ("dann musste ich wieder auf die Toilette rennen") und sich "völlig platt" fühlte, düste er mit dem Team nach Schottland. Sein sportliches Fazit nach der schlimmen 0:33-Pleite: "Ich wäre besser im Hotel in Ratingen geblieben. Ich habe der Mannschaft in Glasgow durch meinen Einsatz letztlich mehr geschadet als geholfen."
Beim 28:21 gegen Berlin Thunder am vergangenen Sonntag lief es dann besser. Kurz vor Schluss fing Mustard einen Pass von Spielmacher Chris Greisen für eine Zwei-Punkte-Conversion in der Endzone. Chad ist über seine Rückkehr froh: "Meine Mitspieler waren so nett zu mir, so rücksichtsvoll, das kann man gar nicht beschreiben. Sie haben bewiesen, dass wir nicht nur eine Zweckgemeinschaft zum Footballspielen sind. Sondern wirklich ein Team."
Übrigens: Donnerstag ist auch Football-Vatertag. Die ganze Familie ist zwischen 10.30 Uhr und 14.30 Uhr zum Trainingsbesuch in die Glückauf-Kampfbahn eingeladen. Wer mit dem Bollerwagen kommt, hat die Chance auf zwei VIP-Karten für das letzte Saisonheimspiel gegen die Barcelona Dragons am 7. Juni.
MICHAEL RYBERG MOTTI BURAK



Meister Proper putzt gern Spielmacher
26.05.2003
Erfolgreicher Nationalspieler Bastian Lano sucht einen Agenten und wartet auf eine NFL- Trainingslager-Einladung.
Rhein-Fire-Nationalspieler Bastian Lano ist auf der Suche. Und zwar nach einem Agenten. "Ich brauche unbedingt jemanden, der gut Englisch spricht, das Football-Metier kennt und NFL-Drähte hat", bekennt der "Meister Proper" der Europaliga. Sonst könnte es mit dem Traum bald vorbei sein, zum Trainingscamp eines NFL-Teams eingeladen zu werden. Darauf arbeitet der 26-jährige gebürtige Hanauer schließlich seit der Saison 2000 hin. Sechs Sacks, also Angriffe auf gegnerische Spielmacher, katapultieren den 133-Kilo-Bulldozer ins Vorderfeld der NFLE- Abwehrcracks. Seine Erklärung dafür klingt so gradlinig wie sein Weg zum Quarterback: "Ja, einfach gut gespielt, oder?"
In Statistiken stehen ist ebenso wertvoll wie in Spielvideos auftauchen. Beides hat Lano geschafft. Und legte dafür einen steinigen Weg zurück. 2000 ins Fire-Team gekommen, sich gut entwickelt, nach der Saison 2001 schon auf dem Sprung über den Teich gestanden. Die fehlende College-Ausbildung, bei der die Amerikaner in der Regel auch zu NFL-Profis heranwachsen, versucht Lano bei Rhein Fire nachzuholen, auszugleichen. "Meine Bundesliga-Einsätze halfen mir da nur bedingt weiter", gibt der Ex-Crack der Franken Knights, Aschaffenburg Stallions und der Panther zu.
Der Tiefschlag nach zwei guten NFLE-Startjahren folgte im Trainingslager zu Tampa Bay/Florida im März 2002: eine schwere Knieverletzung. Fast ein Jahr hatte Lano nach der nötigen Operation mit den Folgen zu kämpfen. Klagte selbst noch im Trainingslager vergangenen März wenige Wochen vor dem ersten Saisonspiel: "Ich bin zu langsam, komme nicht richtig in die Gänge und eigentlich bin gar nicht zufrieden mit mir."
Die lange Pause ließ sich weder aus dem Körper, noch aus dem Kopf schütteln. Das emotionale Tief scheint aber ebenso überwunden wie das sportliche. "Das Knie ist auskuriert. Zudem spiele ich in der Defensive Line nun Tackle statt End, also in der Mitte der Viererlinie, nicht an der Seite. Das kommt mit sehr entgegen, da bin ich effektiver."
Seit Lano für Fire aufläuft, gab es bei Sonntagsgegner Galaxy nur Siege. "Die packen es gegen uns einfach nicht. Sag´ es den Frankfurtern aber nicht weiter", frotzelte Lano. Der Auftritt im Waldstadion ist das "sechste Heimspiel" für den Hessen. "Wichtig ist, dass ich nicht übermotiviert reingehe, dann Fehler mache oder gar Yards-Strafen verursache", betont der 1,99-Meter-Riese.
Ein Sieg bei den Galaktischen würde Fire fast schon in den World Bowl XI nach Glasgow bringen. Würden Frankfurt und Barcelona geschlagen, sind die Burgunderhemden für Schottland gesetzt. Bei Punktgleichheit entscheidet übrigens der direkte Vergleich.
Die Partien der fünf Konkurrenten um zwei Finalplätze:
Frankfurt Galaxy (5-3 Siege): Heimspiel gegen Rhein Fire, Auswärtsspiel in Berlin.
Rhein Fire (5-3): in Frankfurt, gegen Barcelona.
Barcelona Dragons (5-3): gegen Scottish Claymores, bei Rhein Fire.
Scottish Claymores (4-4): in Barcelona, gegen Amsterdam.
Amsterdam Admirals (3-5): gegen Berlin, in Schottland.
MICHAEL RYBERG



126-Kilo-Klops spielt Klavier
23.05.2003
Fire-Akteur Viger kommt aus einer musikalischen Familie. Sonntag gegen Berlin.
33 Punkte kassiert, null erzielt. Rhein-Fire-Cheftrainer Pete Kuharchek verzieht auch fünf Tage nach der größten Teampleite in neun Jahren das Gesicht wie nach einem Zitronenbiss, wenn er an den blamablen Auftritt des Football-Europaligisten bei den Scottish Claymores denkt.
Rang zwei blieb den Burgunderhemden trotzdem erhalten. Weil Konkurrent Frankfurt Galaxy gegen die Amsterdam Admirals acht Sekunden vor Schluss verlor. Eine erneute Schlappe kann sich Fire allerdings kaum erlauben, will man zum fünften Mal ins World-Bowl-Finale einziehen. Ob da Schlusslicht Berlin Thunder am Sonntag (16.05 Uhr, Arena Auf Schalke) gerade recht kommt?
"Wir müssen mehr Disziplin in allen Bereichen zeigen, mehr Konzentration", fordert Offensiv- Guard David Viger. Der 28-jährige Quarterback-Beschützer von den New York Jets kann mit dem Begriff "Disziplin" besonders viel anfangen. Fünf Jahre lang war der 1,93 Meter große 126-Kilo- Klops als Lieutnant für die US-Navy im Einsatz. Diente in der Marine, obwohl er kaum durch die Kajütentür der Schiffe passte. Spielte aufgrund seiner kräftigen Statur für die Navy natürlich auch College-Football.
1998 schaffte Viger den Abschluss an der Naval Academy in Anapolis/Maryland, bekam von Präsident Bill Clinton sein Diplom. Und wurde von den Jets verpflichtet. Der Terroranschlag vom 11. September 2001 veränderte Vigers Leben. Football spielte monatelang keine Rolle mehr. "Wir haben in den New Yorker Häfen den Schiffsverkehr und sonstige Dinge regeln müssen. War eine schwere Zeit", gibt Viger zu.
Seine Familienwurzeln liegen übrigens in Deutschland. Ur-Ur-Großvater Otto Kern wanderte Ende der 20-er Jahre von Deutschland in die Staaten aus. Gründete in der Automobil-Metropole Detroit damals das größte Kaufhaus der USA. Vigers Tante vom Ehemann seiner Schwester lebt noch in Deutschland, singt aber als Primadonna gelegentlich an der Metropolitan Opera in New York.
Musikalisch sind sie alle, die Vigers. Der Vater ist Jazzpianist, die Schwester zupft Harfe, die Brüder entlocken Violine, Schlagzeug oder gar Saxophon klangvolle Rhythmen. "Ich sitze am Klavier. Hat mir mein Dad beigebracht", lächelt Viger. Traut man ihm angesicht der Bratpfannen großen Pranken gar nicht zu.
MICHAEL RYBERG



Greisen: "Es gibt so Tage, die sollte es eigentlich nicht geben"
19.05.2003
Die frustrierten Spieler von Rhein Fire erlebten das 0:33-Debakel bei den Scottish Claymores noch einmal in der Hotelbar während einer Fernseh-Aufzeichnung.
Das Hotel Thistle im schottischen Küstenstädtchen Irvine, fast 50 Kilometer außerhalb von Glasgow gelegen. Gut fünf Stunden war die schlimmste Niederlage in der - besonders in den Anfangsjahren - an Pleiten wahrlich nicht armen Historie von Rhein Fire vorbei. Das letzte Dutzend Spieler, das sich noch nicht ins Bett geflüchtet hatte, hatte gerade das 0:33-Fiasko bei den Scottish Claymores noch einmal in der Hotelbar während der Fernseh-Aufzeichnung durchlitten. Da stellte Kellnerin Lindsay arglos die alles entscheidende Frage: "Wieso habt ihr eigentlich so hoch verloren?"
Offense Guard Jim Jones gab die ebenso bittere wie realistische Antwort: "Wir haben es vergeigt, wir haben versagt, wir waren schrecklich, wir waren so schlecht wie man nur sein kann."
Viele Fehler und Strafen
Damit brachte der 25-Jährige, der aus Chicago stammt, und am katholischen Elite-Football- College Notre Dame studiert hat, das Entsetzen der Fire-Spieler über ihre schier unterirdisch schlechte Vorstellung auf den Punkt. "Es gibt so Tage, die sollte es eigentlich nicht geben", stammelte Quarterback Chris Greisen beim Anblick all der vielen Fehler und Strafen nur hilflos.
Dass Rhein Fire ausgerechnet beim ersten NFL Europe-Spiel der Saison so demontiert wurde, das vom Fernsehsender Fox USA-weit übertragen wurde, wurmte den 26-jährigen Spielmacher zusätzlich. "Gründlicher kann man nicht versagen. Sicher haben meine gesamte Familie, alle meine Freunde und ehemaligen Mitspieler dieses Debakel gesehen."
Einig waren sich Greisen, Jones und Co., dass Fire jetzt zeigen muss, dass es wirklich das in den vergangenen Wochen von Headcoach Pete Kuharchek so viel beschworene Team ist. "Dann ist noch nichts verloren", sagte auch Generalmanager Alexander Leibkind, der nach intensiver Suche auch positive Zeichen dafür fand, dass die Claymores Fire eine heilsame Lektion verpasst hatten. "Den Spielern war freigestellt, ob sie gleich ins Hotel zurück oder den Abend in Glasgow verbringen wollten. Bis auf vier, fünf Leute, die mit ihren Frauen oder Freundinnen Essen gegangen sind, sind alle ins Hotel zurück. Das spricht doch für den Teamgeist und ein gewisses Maß an Selbstkritik."
MOTTI BURAK aus Glasgow



Von den Breitschwertern zerlegt
18.05.2003
Fire kassierte in Schottland die höchste Niederlage der Teamgeschichte und blieb erstmals ohne Punkt.
Schottland war für Rhein Fire einmal mehr keine Reise wert. Mit dem 0:33 (0:9, 0:7, 0:10, 0:7) kassierte der zweimalige World-Bowl-Champion bei den Scorttish Claymores die höchste Schlappe der neunjährigen Team-Geschichte, die fünfte Niederlage in Folge in Schottland und blieben im 87. Punktspiel der Vereinshistorie erstmals ohne Punkt. "Das muss ich erst einmal analysieren", stammelte Cheftrainer Pete Kuharchek nachher nur noch, "es ist alles schief gelaufen, was schief laufen kann."
Von Beginn an ließen die Gäste im Hampden Park, in dem in 26 Tagen das diesjährige Finale stattfindet, kaum eine Gelegenheit aus, etwas falsch zu machen. Gleich beim ersten Spielzug ließ Quarterback Nick Rolovich den Ball fallen und schaffte es so gerade noch, das Spielgerät aus der Endzone zu schlagen und so den drohenden Touchdown zu verhindern. Hieß: ein Safety für die Gastgeber zum 2:0. Der Fehler des Spielmachers war der Auftakt zum Festival von Pleiten, Pech und Pannen.
Die Offense Line konnte sich nie durchsetzen. Das Laufspiel stotterte nur mühsam vorwärts. Die Pass-Empfänger entwickelten - nicht nur wegen des im zweiten Viertel strömenden Regens - eine regelrechte Leder-Allergie und ließen im Dutzend fangbare Pässe fallen. Die Defense zeigte gute Ansätze, patzte aber immer wieder und schenkte den Schotten zwei Touchdowns durch Abstimmungsfehler. Dazu kamen 13 Strafen, die selbst den sonst so sanften Kuharchek in Rage brachten: "Darüber müssen wir reden."
Höhepunkt der Fehlleistungen: Kurz vor der Pause verlor Zweitspielmacher Chris Greisen beim Wurfversuch den Ball. Und DeVonte Peterson, der 130-Kilo-Awehrkoloss der Claymores, nutzte das Gastgeschenk, um den ersten Touchdown seiner Football-Karriere zu erzielen. Greisen, der es schaffte, die sehr mäßige Vorstellung von Rolovich noch zu unterbieten, setzte auch den Schlusspunkt. Als Fire in der finalen Minute zum ersten Mal überhaupt nach der Pause über die Spielmitte vorgedrungenwar, beendete der Mann mit der Brustnummer 14 mit einem Fehlpass die letzten Hoffnungen, doch noch zu punkten.
Traurige Krönung des verpfuschten Nachmittags im typisch schottischen Frühsommer: Mit Bastian Lano (rechter Bizeps), Kendall Newson (Oberschenkel) und Andre Arnold (linkes Knie) fielen drei Spieler verletzt aus.
Kein Wunder, dass Fire-Boss Alexander Leibkind mit minütlich länger werdendem Gesicht über die Tribüne tigerte. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", grummelte er nachher, "über diese Vorstellung werden wir noch reden."
MOTTI BURAK aus Glasgow



Rhein Fire: Watkins wirft für Thunder
14.05.2003
Gelobt wurde Mike Watkins von Rhein-Fire-Cheftrainer Pete Kuharchek seit dem NFLE-Football- Trainingslager in Tampa Bay/Florida: "Der Junge hat es auch drauf. Leider kann ich aber nur zwei Spielmacher einsetzen." Watkins wurde dennoch hinter Nick Rolovich und Chris Greisen als Nummer Drei mit nach Deutschland genommen.
Am Wochenende darf der 24-Jährige auf sein Debüt hoffen. Und zwar für Berlin Thunder, das pikanterweise am 25. Mai Auf Schalke bei Rhein Fire anzutreten hat. Der Europaliga- Titelverteidiger muss den verletzten Start-Quarterback Henry Burris ersetzen. Watkins wird Teamkamerad von Ex-Fire-Spielmacher Phil Stambaugh, der am Samstag im Heimspiel gegen die Barcelona Dragons starten wird.
Übrigens: Fire-Passempfänger Kendall Newson wurde für den 94-Yards-Kick-off-Return-Touchdown- Lauf beim 34:27 in Amsterdam von der Liga als Special-Team-Spieler der Woche ausgezeichnet. (miry)



Liebesdichte auf der Tribüne beflügelte
12.05.2003
Rhein-Fire-Team in Feierlaune. Amsterdamer Siegesabend regte aber auch zum Nachdenken an.
Football ist sexy! Das orange-schwarze "Kick-off"-Saisonmagazin der Amsterdam Admirals formulierte gefühlte Touchdown-Freude in freizügiger Sprache. Ob aus Rhein-Fire-Sicht der ArenA-Abend wirklich mit dem schönsten aller Gefühle vergleichbar war, das mögen die Beteiligten für sich selbst beantworten. Spielmacher Chris Greisen jedenfalls, der beim 34:27-Triumph des Europaliga-Zweiten den Angriff mit Kumpel Nick Rolovich fast perfekt gelenkt hatte, sparte nicht mit Superlativen: "Es war ein unglaublich tolles Match."
Das Wörtchen "sexy" hätte ihm seine Frau wohl kaum verziehen. Die Liebesdichte auf dem Unterrang der Ajax-Fußballstätte war allerdings selten so spürbar wie am Samstag. Zahlreiche Verwandte und Freunde der Fire-Cracks hatten den Weg ins Grachten-Multi-Kulti gefunden.
Einige Spielerfrauen, Richard Yancys Vater, Patrick Venzkes NFL-Kumpel John Welbourn aus Philadelphia. Dort bei den Eagles ist übrigens Admirals-Kicker Silvio Diliberto ein Thema. Der frühere Fußball-Profi des PSV Eindhoven, der seit der Saison 1997 für die Oranje-Hemden fast ohne Fehl und Tadel Extrapunkte und Feldtore verwandelt, soll bei den Grün-Weißen ins Sommer-Trainingslager.
Rund tausend Burgunderhemden feierten ihre Cracks am Samstag jedenfalls enthusiastisch. Der Blick ins farbenfrohe Rund der ArenA allerdings ließ neutrale Beobachter zur nüchternen Betrachtungsweise zurückfinden. Auch der Standort in Holland läuft eigentlich nicht so, wie man es bei der National Football League (NFL) in New York sicherlich erwartet hatte.
Eine bunte, junge Stadt, ein schmuckes Stadion und der einzige Sport-Konkurrent Ajax (mit 46 500 Fans im Schnitt pro Ehrendivisionsheimspiel!) wären eigentlich Pro-Argumente, zum vierten starken Standbein neben Düsseldorf, Frankfurt und Gelsenkirchen in der Europaliga zu wachsen.
Warum wieder einmal nur knapp 12 000 Zuschauer für eine allerdings beachtliche Stimmung sorgten? Fire-Manager Alexander Leibkind war es an den Augen abzusehen, dass er gern mal die ArenA voller sehen würde: "30 000 bei den Admirals würden unsere Liga doch nur stärken. Vielleicht fehlt es an den richtigen Ideen, den Leuten einen Besuch schmackhaft zu machen."
Internationalität oder Gewinnmaximierung?
Die Grundidee einer Europaliga steht und fällt auch mit Amsterdam. Die Frage lautet: Geht es NFL-Chef Paul Tagliabue eher um Internationalität oder um Finanzprofit? Vor allem von dieser Antwort hängt es ab, wie es mit der Europaliga in der Saison 2005 weitergeht.
Die finanziellen Fakten würden zweifelsfrei für eine NFL Germany sprechen. Nicht nur Leibkind ist sich sicher, dass eine angedachte Sechserliga mit den Standorten Frankfurt, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Berlin, Hamburg und Stuttgart den Zuschauerschnitt von zuletzt 18 500 auf über 20 000 pro Spiel schrauben würde.
MICHAEL RYBERG



Augenschmaus in der ArenA der Angst
11.05.2003
Rhein Fire festigte mit exzellenter Leistung bei den Admirals Platz zwei.
Samstagabend, 21.58 Uhr, Amsterdam ArenA: Abwehrflitzer Greg Brown kauerte vor jenem Sponsorenauto, das die Admirals an der Spielfeldecke direkt vor den Rhein-Fire-Fans platziert hatten. Den Rücken ans schwarze Gummi des rechten Vorderreifen gedrückt, die Knie vor die Brust gezogen, die Hände und den Kopf zum scheinbaren Gebet ineinander vergraben. Drei Stunden dröhnende Anspannung wollten raus. Der 23-jährige Defensive Back macht sich vor der feiern-den Meute fast eine Minute klein wie ein ängstliches Kind im Sandkasten. Er hatte den Ball erobert, lief Richtung Endzone, verlor das Ei aber wieder. Au weia, wenn das am Ende den Ausschlag gegeben hätte. Browns Gedanken schossen offenbar sekundenschnell wie ein Blitzlichtgewitter.
Dann sprang der Texaner auf, reckte die rechte Faust den rund tausend jubelnden Gäste-Fans entgegen. Emotionale, verständliche Szenen, die einem grandiosen Match und dem 34:27 (14:14, 7:7, 10:0, 3:6)-Angriffskrimi folgten.
Die Spielanalyse geht fast nur im Gleichklang des Punktefestivals. Im Stakkato. Vier Touchdowns allein im ersten Viertel, acht insgesamt. Fast jede Angriffsserie vor der Pause endete nach teilweise tollen Aktionen mit Punkten. Furios gegen desaströs sagten hinterher die Cheftrainer Bart Andrus und Pete Kuharchek zum Verhältnis Angriff-Angriff. Für die 12 000 Football-Fans auf dem Unterrang der ArenA war´s ein Augenschmaus.
Abwehr drehte Hill den Saft ab
Nach dem Wechsel agierte die Fire-Deckung viel besser. Im Tackling und in der Pass-Verteidigung. Bei Admirals-Lenker Shaun Hill schien der Strom abgestellt. Der Wikinger aus Minnesota musste zweimal ins Gras, warf eine Interception auf Brown, fand nicht mehr die Kameraden.
Fire-Kicker Anderbrügge traf dafür alles. Am Ende waren es vier Extrakicks, zwei Feldtore, gleich zehn Punkte. Spielrekord für Bingo-Ingo! Ein großer Faktor. Doch nicht entscheidend. Den Sieg sicherte am Ende die Defensive.
Mit dem Wut der Verzweiflung. Im der ersten Hälfte vorgeführt, dann stark, am Ende unter dem größten Druck. Als die Admirals zum 27:34 verkürzten, Kicker Diliberto den Extrapunkt aber rechts vorbeizog. Als Taylors anschließender Punt wie faules Fallobst an der eigenen 20-Yards-Linie ins Aus eierte. Einziger Misston des brilliant gestimmten Special Teams.
Hill-Vertreter David Priestley bekam so auch ohne Auszeit und aus am Ende nur vier Yards Touchdown-Entfernung gleich sechs "Elfmeter" serviert. Pass, gestoppt, Pass, geblockt, Pass, überworfen, Pass, daneben, Pass, geblockt, Pass überworfen. Aus, die drohende Verlängerung abgewendet, Jubel, Freudentränen. Defensivchef Ed O´Neil rief, eher scherzhaft, nach dem "Doc": "Mein Herz macht solche Matches nicht mehr mit."
"Für Laufspiel blieb am Ende keine Zeit mehr", jammerte dagegen Admirals-Chef und Pass-Liebhaber Andrus, der das dritte Viertel als Grund für die Heimpleite ansah: "Da haben wir vergessen, wie richtig geblockt wird."
Es war erst der zweite Fire-Sieg in neun Holland-Gastspielen. Da sprach sogar der eher nüchterne Kollege Kuharchek von einem "super Teamerfolg" und von einer Offensive, die "kaum besser" spielen kann. Quarterback Chris Greisen sah es ähnlich: "Es hat fast alles geklappt. Die Line hat mich und Nick Rolovich exzellent beschützt. In dieser Verfassung sind wir ein klarer Kandidat für den World Bowl."
MICHAEL RYBERG aus Amsterdam



Die Liga funktioniert nur an drei Standorten
05.05.2003
Konkurrenz hechelt finanziell dem Krösus Rhein Fire schon wieder weit hinterher. 37 800 Besucher kamen bisher im Schnitt.
An Superlativen sparen sie beim Football-Europaligisten Rhein Fire selten. Der siebte Derbysieg in Serie, ein beträchtliches prominentes Gedrängel, gut gefüllte Tribünen, ein vor allem in der ersten Halbzeit hochklassiges Deutschland-Derby. Cheflautsprecher Alexander Leibkind bezeichnete den gelungenen Abend beim 14:7 über Frankfurt Galaxy als "perfekt". Was Steigerungspotenzial ausschließt.
Die endliche Vokabel des General Managers schien deshalb unpassend, weil 19 000 Plätze in der Arena Auf Schalke frei geblieben waren. War aber die Kulisse enttäuschend, weil Superoptimisten tatsächlich von einer "vollen Hütte" geträumt hatten? Man sollte die zu hohe Messlatte auf ein realistisches Maß senken. 42 324 zahlende Anwesende bedeuteten schließlich über tausend Fans mehr als im Vorjahr. Da hatten sich im Rheinstadion "nur" 41 109 Karteninhaber versammelt.
Aber was heißt hier nur? Man sollte Fire nicht ausschließlich an eigenen Erwartungen messen. Im Liga-Vergleich marschiert der NFLE-Krösus meilenweit vorneweg. Nach drei Heimpartien weist der Zuschauerschnitt mit Freikarten geschönte 37 800 Besucher auf. Allenfalls die Frankfurter folgen mit 24 000 pro Baustellenspiel im Waldstadion.
Keine 9000 Fans in Glasgow und Berlin
Der Rest? Man muss sich schon wieder Gedanken machen. 8783 Interessenten im Glasgower Hampden Park, der Spielstätte des elften World-Bowl-Finals in sechs Wochen, beim Schottland-Match gegen Barcelona waren am Sonntagnachmittag ebenso enttäuschend wie die Kulisse in Berlin.
8934 wollten Schlusslicht Thunder beim ersten Saisonsieg gegen Amsterdam sehen. Und das im riesenhaften Olympiastadion. Zahlen, die der NFL-Philosophie zuwider laufen. Nämlich auch mit der Europaliga Geld verdienen zu wollen. Man muss zwar nicht befürchten, dass Liga-Boss Doug Quinn schon den Zeigefinger am roten (Aus-)Knopf platziert hat. Dafür schleppen die New Yorker Lenker schon viel zu lange den Problemstandort Barcelona mit sich herum. 4000 und 6000 Zuschauer im Mini Estadi allerdings lassen ein baldiges Ende der Dragons vermuten.
Wo die Drachen hinwandern könnten, das ist Spekulation. NFL-Vice-President Quinn ist nicht verborgen geblieben, wo die Europaliga bislang funktionierte. Nämlich nur in Deutschland. In Düsseldorf, in Frankfurt, in Gelsenkirchen. Auch wenn Schalke-Manager Rudi Assauer aufgrund seiner 35 000-Zuschauer-Garantie an die NFL wohl keine großen Gewinne mehr erwarten dürfte.
Zieht man die mindestens 20 000 Freikarten aus dem Schottland-Spiel ab, liegt der Schnitt bei rund 31 000 Zahlern. Ob die ausstehenden Gastspiele von Berlin und Barcelona sowie die umfangreichen Catering-Rechte der Königsblauen die Differenz ausgleichen, das darf man durchaus bezweifeln.
MICHAEL RYBERG



Greisens Nase hing schief
04.05.2003
GEBURTSTAG: Galaxy-Manager Tilman Engel ist wahrlich kein Rhein-Fire-Liebhaber. Dass der größte Frankfurter Kontrahent aber auch noch Engels 39. Geburtstag am Samstag vermieste, ließ die Laune in den Keller sinken. Zumal die Galaxy gegen Fire das siebte Match in Serie verlor.
GRÜSSE: "Kopf hoch, Ralf!" munterte Fire-Kicker Ingo Anderbrügge seinen Frankfurter Kollegen Kleinmann auf. Der gebürtige Kölner mit der Nummer 9 auf der Brust hatte zwei Feldtorversuche aus günstiger Position verschossen. "Das zeigt mir, dass die Kicker Spiele entscheiden können und dass man auch beim noch so leicht aussehenden Versuch immer hoch konzentriert sein muss", unterstrich Anderbrügge. Der verwandelte seine beiden Möglichkeiten übrigens tadellos.
GÄSTE: Schwarm vieler weiblicher Fire-Fans war am Samstag die Boy-Group Natural aus Orlando/Florida. Das Quintett drückt übrigens vorwiegend den NFL-Footballern der Miami Dolphins und der Tampa Bay Buccaneers die Daumen.
GREISEN: Die Nase hing schief. Und zwar leicht nach rechts. Fire-Spielmacher Chris Greisen schien der Nasenbeinbruch vom Barcelona-Match trotzdem nichts auszumachen. "Eine Kleinigkeit", betonte der 26-jährige Quarterback, "ich habe ja nicht einmal eine Minute Training ausgelassen." Seine stärkste Leistung in fünf Spielen waren Beweis genug. (miry)



Schützenparade mit Kick
04.05.2003
42 324 Zuschauer sahen mitreißendes Derby. Galaxy verschoss gegen Fire drei Feldtorversuche.
Vor dem Mikrofon im Presseraum der Schalke-Arena fiel der Begriff "World Bowl" nur einmal. Als Spielmacher Chris Greisen bemerkte, er gedenke elf und nicht zehn Matches für Rhein Fire zu bestreiten. Inklusive des Finals um die Football-Europaliga am 14. Juni im Glasgower Hampden Park. Stimmungsvoller, spannender, schöner als das samstägliche 18. Deutschland-Derby kann das NFLE-Endspiel kaum werden. 42 324 zahlende Beobachter jedenfalls ließen sich vom dramatischen 14:7 (3:7, 11:0, 0:0, 0:0) der Burgunderhemden gegen Frankfurt Galaxy mitreißen. Wer auf die Insel fliegen darf in sechs Wochen, ist offener denn je.
Eine Halbzeit spielerische Klasse auf beiden Seiten, anschließend eine Halbzeit mit Kampf und Spannung - ohne Punkte allerdings. "Drei Feldtore verballert, einmal vor der Endzone einen Fehlpass geworfen. Da kann es keine Entschuldigung für die Niederlage geben", säuerte Galaxy-Cheflenker Doug Graber ins Mikrofon. Und verzog dabei die Miene, als hätte er eine Zitrone verspeist.
Ausgerechnet Ralf Kleinmann, der Fire in der Vergangenheit so oft mit Glanzschüssen in letzter Sekunde geärgert hatte, leistete sich zwei Fehlschüsse. Einen aus 28 Yards links daneben, den zweiten aus 31 Yards von der exzellenten Fire-Defensive geblockt. Kicker Hilbert legte ein vergebenes 47-Yards-Feldtor obendrauf. Ein Glückshattrick für Rhein Fire!
Ingo Anderbrügge und Todd France, der aus 53 Yards für vier Punkte zwischen die Malstangen zielte, nutzten ihre drei Möglichkeiten. "Die Kicker entscheiden das Match. So habe ich es mir vorher gewünscht", meinte der sichtlich mitgenommene Anderbrügge nach dem heißesten seiner bisherigen Schalke-Auftritte.
Ein Klasse-Touchdown nach Pass von Quarterback Greisen auf Receiver Charly Adams lag ebenso inmitten der Schützenparade wie der gewühlte Touchdown der Gäste aus kürzester Distanz zur 6:3-Führung.
"Sicher hätte unsere Offensive in der zweiten Halbzeit mehr zeigen müssen", schränkte Fire-Cheftrainer Pete Kuharchek ein, "das schmälert aber nicht einen großen Sieg." Gegen die beste Defense Line fand das bisher starke Laufspiel der Gastgeber gar nicht statt. Was dazu führte, dass die Frankfurter vor allem nach der Pause permanent in Ballbesitz waren. Weil Fire nur am Ende einen neuen ersten Versuch schaffte, ansonsten mit Langpass-Lauf-Langpass-Rhythmus die geforderten zehn Yards Raumgewinn dreimal in Serie nicht erreichte.
Vor dem Wechsel nutzte Fire allerdings drei der vier Angriffszüge blitzsauber zu Punkten. Auch ein Verdienst der Quarterback-Bewacher, nämlich der Offense Line, die Rolovich und Greisen stets viel Zeit zum Handeln verschafften.
"Wir sind nach der Schlappe in Barcelona sensationell zurückgekommen und haben mit einem großen Kampf einen Beweis für unseren tollen Teamgeist geliefert", schnaubte Aufräumer Patrick Venzke euphorisch, "der Derby-Sieg wird dem Team einen Kick, einen richtigen Schub geben."
Offenbar haben die Cracks aus den letzten drei Matches gelernt. Erstens gab es deutlich weniger Strafen gegen Rhein Fire. Zweitens leistete sich der Angriff keinen Fehlpass. Bei den Dragons flogen gleich drei Pässe in des Gegners trikotgrüne Arme. Drittens packte die Deckung vor allem in der zweiten Hälfte besser zu. "Für mich wichtige Hinweise darauf, dass wir gut im Rennen liegen", bemerkte Headcoach Pete Kuharchek.
MICHAEL RYBERG



Lano findet Galaxy-Lila einfach gruselig
03.05.2003
Heute steigt das 18. Derby zwischen Rhein Fire und Frankfurt. Über 40 000 Fans sind dabei.
Bastian Lano besitzt einen trockenenden Humor. Der in der Nähe von Nürnberg geborene und in A schaffenburg wohnende Defensivbrocken von Football-Europaligist Rhein Fire hat eine simple Begründung parat wenn es darum geht, warum er nicht für Frankfurt Galaxy spielt. Liegt geographisch ja eigentlich näher. "Ich finde lila Trikots einfach gruselig, die regen mich auf", betont der 26-jährige Zwei-Meter-Mann.
Nichts leichter also, die Aggressivität heute (Kick off: 19.05 Uhr, Schalke-Arena) beim 18. Deutschland-Derby gegen die Galaktischen positiv umzusetzen. Auch wenn die Gäste freilich im weißen Auswärtsdress auflaufen werden. Bisher hat es mit 133-Kilo-Koloss Lano gegen die Hessen seit dem Jahr 2000 immer gut geklappt. Am 29. Mai 1999 verlor Fire gegen Frankfurt letztmalig. Damals hieß es vor 40 143 Zuschauern im Rheinstadion knapp 20:21. Die letzte von nur vier Niederlagen in 17 Aufeinandertreffen für Fire.
Mehr als 40 000 Fans sollen es auch heute Abend wieder werden. Cheftrainer Pete Kuharchek plagen einige Verletzungssorgen. Zwar meldete sich Center Dustin Keith wieder zurück. Doch fällt nun auf der gleichen Position Luke Butkus aus: Der zog sich einen Haarriss im Oberschenkel zu und musste ins NFL-Krankenhaus nach Birmingham/Alabama fliegen: vier Wochen Pause!
Passempfänger Emmett Johnson, der vergangenen Samstag beim 3:11 in Barcelona pausiert hatte, meldete sich im Training wieder zurück. Ken-dall Newson musste wegen einer Oberschenkelzerrung kürzer treten. "Ich gehe dennoch fest davon aus, dass ich meine Start-Receiver Johnson, Newson und Charly Adams bringen kann", so Kuharchek.
Motivieren braucht der Coach seine Truppe nicht gerade: "Alle wissen, dass die Fans Siege über Galaxy lieben. Solche Rivalitäten kennen meine Spieler auch aus dem Collage und aus der NFL."
Die Gäste überzeugten bisher mit einer physisch starken Defense Line, die für Druck und Attacken auf den Spielmacher sorgt. "Das wird für unsere schweren Jungs in der Offensive eine echte Herausforderung", glaubt Kuharchek. Venzke und Co. sind gewarnt.
Nick Rolovich wird trotz seiner Fehlpässe in Barcelona wieder als Spielmacher starten. Auch Chris Greisen mischt trotz gebrochener Nase mit.
MICHAEL RYBERG



Venzke erreichte den Siedepunkt
28.04.2003
400 Fans von Rhein Fire erlebten 3:11-Pleite in Barcelona.
Wenn Blut vor Hitze sieden könnte - es hätte in Patrick Venzke gebrodelt. Der Schweiß verdampfte am Körper des hünenhaften 142-Kilo-Kolosses, gezeichnet vom harten Kampf. Der Footballer von Rhein Fire kochte förmlich vor Erregung. "So etwas habe ich noch nie erlebt", schrie der Bulldozer in Menschengestalt gegen die hämmernde Stadion-Musik an.
"Wir haben dominiert, hätten gewinnen müssen", maulte Venzke, noch völlig außer Atem, nach dem Spiel. Eigentlich hätte es ihm beim Gedanken an das Ergebnis die Sprache verschlagen müssen. Doch nach der unnötigen 3:11 (3:7, 0:0, 0:0, 0:4)-Pleite gegen Europaliga-Konkurrent Barcelona Dragons öffnete Venzke sein Ventil, um Dampf abzulassen.
304 Yards Raumgewinn, trotzdem kein Touchdown erzielt. Der 28-Jährige trauerte der vergebenen Siegchance hinterher. Nach dem Verfolgerduell beider Teams, die zuvor zweimal gewonnen und einmal verloren hatten, setzten sich die Katalanen vor die Rheinländer.
Warum? "Barcelona war das effektivere Team", gestand Venzke. Die Dragons nutzten ihre wenigen Chancen bei frühsommerlichen Temperaturen eiskalt aus. Und Fire? "Wir haben uns ins eigene Bein geschossen", befand der Tackle aus der Offenseline. Die Essenz der schmerzlichen Erkenntnis: Fire schlug sich selbst.
Wieder mal durch etliche Strafen, die mit 81 Yards Raumverlust zu verbüßen waren. Sowie durch folgenschwere Fehlpässe der Spielmacher Nick Rolovich und Chris Greisen, die den Maurern der spanischen (Abwehr-)Wand dreimal das Ei in die Hände warfen. "Das tat weh", presste Cheftrainer Pete Kuharchek zerknirscht hervor.
Hinzu kamen strittige Schiedsrichter-Entscheidungen. Oder auch zitternde Hände der Passempfänger, die das Ei wie heiße Kohlen fallen ließen. Zudem fehlte der verletzte Emmett Johnson auf dieser Position. Dennoch versicherte Kuharchek: "Ich mache mir keine Sorgen um unser Pass-Spiel."
Einziger Lichtblick war wieder einmal Ballträger Autry Denson. Im Express-Tempo trampelte er durch die Dragons-Defensive; zum dritten Mal über 100 Yards weit.
Als Kicker Todd France im ersten Viertel aus 47 Yards das Ei erfolgreich durch die Vertikalstangen schoss, ließ dies hoffen. Vor allem die rund 400 mitgereisten Fire-Fans unter den 6182 Zuschauern im Mini Estadi. Doch mit zunehmender Spielzeit wurde klar: Die Stimmung stieg nur noch bei den Dragons-Fans. Und zwar bis zum Siedepunkt.
JÖRN PERSKE aus Barcelona



Delphin angelt in der Endzone
22.04.2003
Rhein-Fire-Passempfänger Kendall Newson punktete schon zweimal in der Endzone. Bei seinem Arbeitgeber in Miami war der 23-Jährige erst einen Tag zum Probetraining.
Bei seinem aktuellen Arbeitgeber war er bisher nur einen Tag. Wenn Kendall Newson für die Miami Dolphins Reklame läuft, beispielsweise mit seinem grau-mintgrünen Sweatshirt, dann auch aus Eigenintiative. Das Team aus Südflorida gab dem 23-jährigen Passempfänger nach einem exzellenten Probetraining exakt an dem Tag grünes Licht für einen NFL-Vertrag, als Europaligist Rhein Fire ihn per Draft ins Team der Saison 2003 holte. Der schlaksig wirkende Passempfänger dankte Fire und den Dolphins, die für US-Verhältnisse lächerliche acht Autostunden von Newsons Heimat in Georgia entfernt beheimatet sind, bisher mit zwei Touchdowns in drei Spielen für das Vertrauen. Zuletzt beim 34:17-Heimsieg am Samstag über die Scottish Claymores.
Folgen noch mehr Besuche in des Gegners Endzone? "Das Selbstvertrauen dazu habe ich. Versprechen kann ich aber nichts", winkt Newson ab. Und lächelt. Wie auf dem Trainingsplatz auch. Dort ist er gern. Arbeitet an sich. An der Karriere.
Testspiele für die Jacksonville Jaguars und eine Woche Trainingscamp bei den Tennessee Titans hat der Wide Receiver in der NFL-Saison 2002 hinter sich gebracht. Nicht gerade Ruhmestaten. Newson ist allerdings noch jung, hat erst vor einem Jahr seine vierjährige College-Zeit bei Middle Tennessee State absolviert. Zwei neue Chancen heißen nun erstens Rhein Fire, zweitens Miami.
Wie groß ist der Unterschied zwischen NFL und NFLE? "Ich glaube, es ist nicht das Riesenloch wie viele meinen. NFL-Spieler haben die zwei oder drei richtig guten Spielzüge mehr drauf als die Reservisten. Das ist schon richtig. Ich bin aber in Europa, damit ich beweisen kann, dass ich Big plays auch drauf habe."
Das Leben in Deutschland scheint Newson bisher zu gefallen. "Ohne Auto und mit wenig englischsprachigen Fernsehkanälen kommt man aus einem gewissen Trott heraus. Ich lese Bücher, studiere unser Spielsystem, lerne die Teamkameraden und Düsseldorf kennen, befasse mich noch mehr mit Football an sich als früher", lobt Newson seinen zwangsläufigen Lebensstil für drei Monate.
Der Kerl mit der Nummer 87
Im Trainingslager in Tampa Bay/Florida legte ihn eine Wadenverletzung zwei Wochen auf Eis. Erst beim Test gegen Berlin Thunder brachte Newson sein Talent zur Entfaltung. "Wer auch immer der Kerl mit der Nummer 87 auf der Brust da ist, den nehmen wir auf jeden Fall mit nach Deutschland", erklärte Cheftrainer Pete Kuharchek verblüfft. Nachdem er den Spieler von der Middle Tennessee State University bis dahin gar nicht realisiert, sein Offensivchef Mike Jones allerdings schon das Talent erkannt hatte.
Zu Hause in Georgia drückt die Familie die Daumen. Vier Brüder und drei Schwestern hat Newson, der für sein Leben gern fischen geht: "Mein Vater hat es mir beigebracht." Im Sommer packt der Fire-Fänger am West Point Lake die Angel aus.
Bis zum 14. Juni, dem Tag des World-Bowl-Finals in Glasgow, angelt sich der Receiver lieber die Pässe seiner Spielmacher Nick Rolovich und Chris Greisen: "Ich will schließlich der beste Receiver der Liga werden!"
MICHAEL RYBERG



Feuer in allen Facetten
21.04.2003
Fünf Touchdowns, gut gefüllte Ränge und eine prächtige Stimmung machten den zweiten Saisonsieg von Rhein Fire über die Scottish Claymores zum Festabend.
Abdual Howard strahlte am Samstagabend nicht nur, weil er im Sonnenstaat der USA zu Hause ist. Für Florida State in Tallahassee College-Football gespielt, bei den Jacksonville Jaguars in der NFL unter Vertrag stehend. Und zwar als Safety. Ganz hinten. Als Absicherung. Einen Touchdown, also arbeiten ganz vorn, hat der 24-jährige Abwehrstratege noch nie erlaufen. Und einen über 93 Yards schon mal gar nicht.
"Das war das Beste, was ich bisher in meinem Leben erlebt habe", behauptete die Nummer 41 von Football-Europaligist Rhein Fire denn auch keck. Nachdem er plötzlich in den Schlusssekunden über das komplette Rasenfeld der Schalke-Arena getrampelt war. Der Höhepunkt beim verdienten 34:17 (7:0, 13:3, 0:0, 14:14)-Heimsieg über die Scottish Claymores.
Howards Schulterpolster hingen schief wie Windmühlen aus dem dunkelrot-schwarze Trikot, als es in die Kabine ging. Selbst einige US-Schotten klopften herzhaft zu. Der Großteil der offiziell fast 44 000 Zuschauer stand auf den Klappsitzen. Klarer Fall: Das war ein famoser Spielzug, eine Überraschung, ein Finale wie Football-Fans es gern sehen, weswegen sie ins Stadion kommen.
Drei Viertel lang hatten die Burgunderhemden zudem geglänzt. Die Breitschwerter schienen pulverisiert. Nicht scharf genug. Irgendwie gar nicht im Match drin. "Was mich ganz schön frustriert hat", gab Gäste-Chefcoach Gene Dahlquist hinterher zu. "Da haben wir in allen Facetten richtig klasse gespielt. Vor allem die Offense Line, die mich und Nick Rolovich stark geschützt hat", lobte Spielmacher Chris Greisen, der zwei Touchdown-Pässe ins Ziel brachte.
27:3 stand es uneinholbar im Schlussviertel für Fire. Wobei das Schotten-Feldtor durch einen fallen gelassenen Punt vom ansonsten starken Running Back Autry Denson, der sich erneut beim Fangen verschätzte, von den Gastgebern sogar noch aufgelegt wurde.
"Am Ende war die Abwehr aber ganz schön schlampig und durcheinander. Was ich mir ankreiden muss", bemängelte Fire-Cheftrainer Pete Kuharchek.
Zwei Touchdowns der Gäste brachten aber nicht mehr wirklich Gefahr. Weil die Zeit davonlief. Spielmacher Shane Staffords Fehlpass in die Arme von Safety Howard setzte einen Schlussstrich unter das lange einseitige Match.
Blieb am Ende nur die erneut fatal große Strafyardsanzahl zu kritisieren. "132 Yards und 14 Penaltys sind einfach indiskutabel, aber eine Folge der aggressiven Spielweise, die wir von den Jungs gegen physisch immer starke Claymores die gesamte Trainingswoche über gefordert hatten", befand Kuharchek.
An den Coaches liegt es nun, erstens einen gesunden Mittelweg zwischen Fairness und Härte zu finden sowie zweitens die unsinnigen Fouls einiger Cracks bei schlechten dritten Versuchen des Gegners zu unterbinden. Vielleicht schon beim Gastspiel in Barcelona am kommenden Samstag (17 Uhr, Mini Estadi).
MICHAEL RYBERG



Doghmi bei Rohlfings Cardinals
21.04.2003
VERTRAG: Nach seinem Achillessehenriss gleich im ersten Match muss Fire-Veteran Anthony Doghmi die komplette Europaliga-Saison zusehen. Und auch mit der Bundesliga wird es vorerst nichts für den Defensive End. Der frühere Panther-Verteidiger Doghmi hatte übrigens bei den Essen Assindia Cardinals, die von Ex-Fire-Nationaltrainer Walter Rohlfing betreut werdem, gleich für drei Spielzeiten zugesagt.
HOCHZEIT: Seinen 28. Hochzeitstag feierte Fire-Defensivchef Ed O´Neil in der Arena Auf Schalke. Vor dem Kick off bedankte sich der frühere Frankfurter Trainer via Videowürfel bei seiner Frau Nancy für viele geduldige Jahre. Nancy war übrigens frisch aus dem kalten Buffalo im Nordosten der Staaten nach Deutschland eingeflogen und drückte in der im weiß-roten Fire-Trikot sitzend die Daumen. Was offensichtlich auch half.
VERLETZT: Das Verletzungspech bleibt Rhein Fire treu. Gegen die Schotten erwischte es Wide Receiver Emmett Johnson, der sich eine Knöchelverletzung zuzog. Gut möglich, dass der Schnapper der Seattle Seahawks beim Gastspiel in Barcelona am kommenden Samstag (17 Uhr, Mini Estadi) ausfallen wird. (miry)



Säbelrasseln gegen physisch starke Schotten
18.04.2003
Fire braucht unbedingt einen Sieg. 40 000 Fans werden erwartet.
In der Football-Europaliga gibt es eine ungeschriebene Erfolgsregel: Gewinne vier Heimspiele und zwei Auswärtsmatches, dann besitzt du eine gute Chance auf eine World-Bowl-Teilnahme! Rhein-Fire-Cheftrainer Pete Kuharchek weiß vor dem heutigen zweiten Heimauftritt gegen die Scottish Claymores (19.05 Uhr, Arena Auf Schalke), was die Erfahrungswerte im Klartext heißen: Wieder eine Heimschlappe und die Flugtickets nach Glasgow zum elften Finale der NFL-Übungsliga am 14. Juni sollte man lieber erst einmal stornieren.
Nun muss man sicherlich nicht gleich eine Drohkulisse aufbauen. Schließlich haben die Burgunder-Hemden am vergangenen Sonntag beim verdienten 21:10 im Berliner Olympiastadion bewiesen, dass sie ein Kandidat für die 18 Kilogramm schwere Kristallkugel sein können. "Wir sind wieder in der Spur, das gibt eine Menge Selbstvertrauen", meint beispielsweise Passempfänger Kendall Newson. Die Nummer 87 im Fire-Team hat in beiden Spielen je einen Touchdown-Pass gefangen. Führt die Fire interne Punkteliste mit Running Back Autry Denson an.
Dritter Auftritt, dritter Touchdown?
"So darf es weitergehen. Ich verspreche aber nichts, sonst fallen hinterher alle enttäuscht über mich her", wehrt der schlaksige Wide Receiver von den Miami Dolphins ab. Dritter Touchdown im dritten Auftritt, das wünscht sich der 23-jährige Fänger aus Decatur/Georgia natürlich trotzdem.
Fire-Cheftrainer Kuharchek machte die gute Leistung gegen Titelverteidiger Thunder vor allem an den beiden Spielmachern fest. Nick Rolovich und Chris Greisen, die sich in dieser Reihenfolge auch am Samstag wieder die Anteile an der ersten Halbzeit teilen sollen, präsentierten sich deutlich verbessert. Drei blitzsaubere Touchdowns sollten das Selbstvertrauen aufbauen.
"Wir haben auch einige brenzlige Situationen in der Abwehr gut überstanden. Das hilft dem Team ebenfalls sehr", betont Kuharchek. Dessen Videostudium brachte weitere Erkenntnisse. "Wir müssen vor allem unsere unnötigen Strafen abstellen. Unsportlichkeit, deutlich verspätete Angriffe auf den gegnerischen Quarterback oder Spielverzögerung sind Sachen, die nicht passieren dürfen", betont der 55-Jährige.
Berlin wusste daraus kaum Kapital zu schlagen. Die Schotten scheinen ein anderes Kaliber darzustellen als der doch eher biedere Titelverteidiger. Physisch härter. Vor allem in vorderster Linie. "Da wird das Spiel garantiert entschieden", glaubt Kuharchek. Der auch auf sein Specialteam setzt. "Da dürfen wir uns keine Fehler erlauben." Was in Berlin klappte.
Übrigens: Die Freikartenaktion für Schalke-Mitglieder scheint heute für gut gefüllte Tribünen in der Arena zu sorgen. Fire rechnen mit 40 000 Besuchern. Zum Vergleich: 28 200 waren es zum Start beim 15:17 gegen Amsterdam.
MICHAEL RYBERG



Denson aus Detroit: Spritzig wie Limonade
14.04.2003
Touchdowns des Running Backs und eine verbesserte Fire-Truppe in allen Teamteilen sorgten für Prachtstimmung in Berlin.
Darf man sich im größten Jubel ärgern? Man kann. Muss aber nicht. Patrick Venzke mochte nach dem 21:10 bei NFLE-Titelverteidiger Berlin Thunder nicht mehr an die voraufgegangene, völlig unnötige 15:17-Heimschlappe "auf Schalke" gegen die Amsterdam Admirals denken: "Football ist wie das richtige Leben: Man kann nicht immer alles haben."
Der Offensive Liner von Rhein Fire betonte das jedoch nicht gleichgültig, sondern kämpferisch, voller Selbstvertrauen. "Wir haben gespürt, ja bewiesen, dass wir in der Liga etwas bewegen können."
400 Fire-Fans hatten sich davon in der staubigen Charlottenburger Baustelle Olympiastadion überzeugt. Cheftrainer Pete Kuharchek lobte das Team in vollen Zügen, mäkelte nur an den Strafen herum. "115 Yards sind indiskutabel. Vor allem, wenn man zweimal wegen Spielverzögerung hart erarbeitete Yards unnötig herschenkt", schickte der Ex-Linebacker einen kleinen Stich Richtung Spielmacher-Duo. Das steckten der starke Nick Rolovich und der gute Chris Greisen nach drei Touchdowns locker weg.
Auffällig, schnell, überragend: Denson aus Detroit. Wie ein Löwe trampelte der in der NFL erfahrene Running Back durch die Thunder-Deckung, tankte sich für zwei Touchdowns durch. "Zehn habe ich mir ja vorgenommen. Das kann ich schaffen. Mit Hilfe des Teams. Wenn das funktioniert, dann sind wir auf dem Weg zum World Bowl", sprudelte es aus der Nummer 23 im weißen Dress. Spritzig wie Limonade nach einer Schüttelrunde.
Dann wiederholte Autry Denson vor den Kameras von FOX-Television seine Gedanken live für die Heimat. Noch auf dem olympischen Rasen stehend. 198 Yards Raumgewinn in 24 Versuchen inklusive Returns sprachen neben zwei Sechspunktlandungen für den kleinen, aber kräftigen Flitzer.
Auch die Passempfänger wussten sich im Vergleich zur Admirals-Niederlage zu steigern. Kendal Newson (87) mit seinem zweiten Touchdownfang und auch Emmett Johnson (88) könnten sich noch als Punktepflücker entpuppen.
Defensive? Ein Problemfall wie gegen Amsterdam? Abwehr-Cheftrainer Ed O´Neil machte seinem wortgewandten, gleichnamigen Comedy-Kollegen ("Eine schrecklich nette Familie") Konkurrenz: "Frag´ mich einfach aus! Ach, ich sag´ dir was: Ich liebe diese Jungs. Die arbeiten hart. Sehr hart. Haben nur zehn Punkte zugelassen. Gegen den Champion. Wow! Gut, das Tackling muss besser werden. Alle arbeiten dran. Nicht voreilig sein!"
Wird schon niemand. Auch wenn sechsmal der Berliner Spielmacher ins Gras biss. Davon allein dreimal "dank" des bärenstarken 129-Kilo-Tackles Josh McKibben, der an Ort und Stelle für Schmerzen sorgte. Bemerkenswert: Defensive End Bastian Lano zeigte in seinem ersten Match seit seinem Kreuzbandriss im vergangenen Frühjahr 2002 eine Klassepartie, schaffte fünf Tackles, einen Spielmacher-Sack und wurde auffällig oft von O´Neil gebracht. Sicher eine Genugtuung für den 28-jährigen Aschaffenburger, der zuletzt fast zwei Wochen wegen einer Knie-Nachuntersuchung im NFL-Krankenhaus zu Birmingham/Alabama ausharren musste.
MICHAEL RYBERG


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