Rhein Fire - Tagebuch National Peter Heyer

New Orleans – Peter Heyer – am 22. Juli feierte der Offensive Line Spieler von Rhein Fire seinen 24. Geburtstag. Einen Tag später löste der Kölner sein schönstes Geschenk ein, stieg in den Flieger nach New Orleans, wo er auf Einladung der Saints sein erstes NFL- Trainingslager bestreitet. Für Rhein Fire führt der Kölner Koloss Tagebuch.

NFL-Tagebuch, Teil 8 -
"Ich habe es nicht ganz geschafft. Aber ich werde es wieder versuchen."

Eintrag 8, Sonntag, 31. August 2003, letzter Eintrag:
"Am Donnerstag war es für mich endlich so weit. Ich habe im Heimspiel gegen die Miami Dolphins zum ersten Mal für ein NFL Team auf dem Feld gestanden. Ein unbeschreibliches Gefühl. Das war für mich bisher natürlich das Highlight meiner Football Karriere. Ich habe die Chance bekommen, zu zeigen, was ich kann. Dafür kämpfen jährlich so viele Spieler und scheitern. Ich habe es geschafft. Leider nicht auf der Position, auf der ich eigentlich wirklich zeigen wollte, was ich kann.
Ende des dritten Viertels kam mein Choach aufgeregt zu mir und fragte mich. Ob ich auch Defense spielen kann. Wir hatten en paar angeschlagene Spieler, die nicht mehr auflaufen konnten. Natürlich habe ich ja gesagt. Wenn du in diesem Moment kneifst, ist deine NFL Karriere beendet, bevor sie überhaupt angefangen hat.
So bin ich eben in der Defense zu meinem ersten NFL Spiel gekommen, habe direkt im ersten Spielzug den Runningback stoppen können und habe auch sonst einen ganz guten Eindruck hinterlassen. Das bestätigten mir zumindest die Coaches nach dem Spiel.
Meine letzten Tage in New Orleans waren reine Nervensache. Du schwebst so zwischen Hoffen und bangen und hast nichts mehr, worauf du dich so richtig konzentrieren kannst, wenn die Vorbereitungsspiele vorbei sind.
Dann kam der Tag der Entscheidung. Wir saßen zusammen in einem Raum und warteten, was passiert. Dann wurden die gecutteten zu fünft zu den Coaches gerufen. In dem Moment weißt du, dass es erst mal vorbei ist. Ein schrecklicher Moment. Du denkst, dass die ganze Arbeit, der ganze Kampf umsonst war.
Dabei war es sehr knapp zwischen mir und einem Center. Der hatte aber schon das Minicamp der Saints mitgemacht und war mir dadurch von Anfang an im Vorteil.
Die Coaches erklärten mir dann, dass ich gut gearbeitet habe und so weiter machen soll. Sie planen, mich in den nächsten drei Jahren aufzubauen.
Wenn man das Ganze im Nachhinein betrachtet, habe ich doch eine Menge erreicht. Ich war in einem NFL Trainingscamp und habe einen guten Eindruck hinterlassen. Ich habe hier so viele gute, schnelle Spieler gesehen, die es auch nicht geschafft haben.
Jetzt werde ich in der nächsten Saison in der NFL Europe League wieder voll angreifen und dann ein zweites Mal in ein Camp gehen. Dann hoffe ich, dass ich von den ganzen Erfahrungen dieses Jahres noch mehr profitieren werde."


NFL-Tagebuch, Teil 7 -
"Donnerstag werde ich endlich spielen"

Eintrag 7, Dienstag, 26. August 2003:
Vorgestern haben wir in San Francisco gespielt. Leider bekam ich auch in diesem Vorbereitungsspiel keine Einsatzzeit. Die Coaches haben hauptsächlich ihre Veteranen spielen lassen. Wir haben die Begegnung bekanntlich mit 12:27 verloren.
Am Donnerstag soll es dann endlich für mich so weit sein. Meine Trainer haben mir signalisiert, dass ich in unserem letzten Vorbereitungsspiel gegen die Miami Dolphins zwei Viertel lang spielen soll. Dann erfüllt sich wohl endlich mein Traum, ein NFL-Spiel bestreiten zu können.
Gestern war ein weiterer Cut bei den Saints, bei dem wieder zwei Offense Line Spieler entlassen wurden. Damit haben wir jetzt nur noch 13 Spieler für 10 Plätze auf dem Roster.
In der letzten Woche des Camps trainieren wir jetzt nur noch einmal am Tag in voller Ausrüstung. Nach den Strapazen der ersten Wochen ist das fast schon eine Erholung.
Bei der Simulation der gegnerischen Offense als Vorbereitung für das nächste Spiel stehe ich regelmäßig auf dem Feld und spiele gegen die 1. Verteidigung der Saints. Es ist gut zu wissen, dass ich dem Team zumindest im Training helfen kann. Am Donnerstag will ich dann endlich beweisen, dass ich auch im Spiel in der Lage bin, eine Stütze für die Mannschaft zu sein.


NFL-Tagebuch, Teil 6 -
"Mein Gegenspieler verdient elf Millionen"

Eintrag 6, Donnerstag, 14. August 2003:
Heute bekam ich um 5.40 Uhr früh einen netten "Weckruf" vom Rhein Fire PR Department. Das hatte die Presse zu einem Telefoninterview mit mir ins Düsseldorfer Office geladen.
???: Ist die Schulterverletzung auskuriert?
"Ja, ich kann seit dieser Woche wieder voll mittrainieren. Im rechten Arm fehlen nur noch zehn Prozent an Kraft. Die hole ich mir bei der täglichen Physiotherapie morgens, um 6.30 Uhr."
???: Bei der 17:27-Niederlage gegen die Philadelphia Eagles haben Sie nicht gespielt?
"Nein, denn zuvor konnte ich noch nicht richtig mit der Mannschaft arbeiten, da schien den Coaches mein Einsatz zu risikoreich. Doch am Samstag bei den New York Jets darf ich mir berechtigte Hoffnungen machen, zu spielen.
???: Wo liegen die Unterschiede zwischen einem NFL-Trainingslager und der Arbeit in der NFL Europe League?
"In der NFL geht alles wieder schneller zu. Da muss man sofort funktionieren, ist die ganze Zeit in Bewegung. Wer auf dem Platz steht, darf keine Fragen mehr haben, sondern muss bei jedem Spielzug sofort die richtigen Antworten liefern. Ich lerne hier jeden Tag dazu."
???: Gibt es Leistungsunterschiede zwischen Spielern, die gerade vom College kommen, und Akteuren wie Ihnen mit NFL Europe Erfahrung?
"NFL Europe League Spieler sind meist schneller. Dafür verfügen die College Boys über mehr Feinheiten. Der größte Unterschied aber liegt in der Bezahlung. Die New Orleans Saints haben gerade Defensive Line Spieler John Sullivan von der Georgia Tech Universität für seine Vertragsunterschrift einen Signing Bonus in Höhe von elf Millionen Dollar gezahlt. Dazu kommt sieben Jahre lang sein Gehalt von jeweils rund zwei Millionen. Doch der Junge ist auch richtig gut. Ich spiele jeden Tag gegen ihn, er hat es auf Anhieb zum Stammspieler gebracht."
???: Wie lange bleiben Sie noch bei den New Orleans Saints?
"Mindestens bis zum 31. August. Danach entscheidet sich, ob ich hier meinen Zweijahres-Vertrag erhalte und auch beim Saisonstart am 7. September in Seattle dabei bin. Die Saints haben derzeit 16 O-Liner. Davon werden sie neun oder zehn behalten. Ich gebe bis zuletzt alles, denn vor meiner Verletzung war ich schon der zweite Mann auf der Position des linken Guards. Für mich ist hier noch alles drin."


NFL-Tagebuch, Teil 5 -
„Am Montag will ich gegen die Eagles ran“

Eintrag 5, Freitag, 8. August 2003:
„Meiner Schulter geht es schon wieder viel besser. Die täglichen Anwendungen vom Physiotherapeut haben die Prellung schnell behoben. Auch die Sehne war etwas überdehnt, aber das ist kein Problem mehr. Obwohl ich weiterhin jeden Morgen um 6.30 Uhr zur Behandlung muss, kann ich endlich wieder mit der Mannschaft trainieren.
Das ist ganz wichtg für mich, denn am Montag spielen wir unser erstes Preseason Game gegen die Philadelphia Eagles. Da will ich unbedingt dabei sein. Ich hoffe, der Coach lässt mich schon ran - und wenn es nur in den Special Teams ist. Denn ich fiebere meinem ersten Einsatz in der NFL entgegen.“


NFL-Tagebuch, Teil 4 -
„Um 5.30 Uhr ist die Nacht rum“

Eintrag 4, Mittwoch, 6. August 2003:
„Mitlerweile hat es sich ja schon bis nach Deutschland herum gesprochen. Ich bin leider verletzt – es ist die rechte Schulter. Faulenzen ist dennoch nicht angesagt. Im Gegenteil: ich stehe jetzt anstatt um 7 Uhr früh noch eineinhalb Stunden eher auf. Um 5.30 Uhr ist die Nacht rum, denn um halb Sieben beginnt meine Physiotherapie.
Anschließend fahre ich raus zum Mannschaftstraining, um mich auf dem Fahrradergometer fit zu halten. Außerdem kann ich es mir nicht leisten, neue Spielzüge zu verpassen. Natürlich sitze ich nach wie vor in allen Meetings und falle abends um 22.30 Uhr hundemüde ins Bett. Doch ich nehme alle Anstrengungen gerne auf mich, will ganz schnell zurück aufs Feld, um mich den Coaches der Saints zu zeigen. Ich kann hier nämlich durchaus mithalten.
Ich drücke auch Deveron Harper ganz fest die Daumen, dass er es in der NFL schafft: Deveron ist mein Zimmergenosse in New Orleans. Er hat vergangene Saison bei den Scottish Claymores gespielt – ein total netter Kerl.“


NFL-Tagebuch, Teil 3 -
Rhein Fire Profi Peter Heyer in New Orleans „Wer zu spät kommt, zahlt 3.000 Dollar“

Eintrag 3, Freitag, 1. August 2003:
„Es gibt ganz klare Regeln während des Trainingslager bei den Saints. Wenn ein Spieler, die nicht ganz genau befolgt, wird´s richtig teuer. Auf dem Strafenkatalog der in New Orleans steht zum Beispiel: Unpünktlichkeit beim Training kostet 3.000 Dollar. Beim gemeinsamen Essen herrscht ebenfalls Anwesenheitspflicht. Läßt Du eine Mahlzeit sausen, bist Du mit 1.000 Dollar Strafe dabei. Ich achte also peinlichst darauf, dass ich in New Orleans immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort bin. Ich möchte hier ja nicht drauf zahlen müssen.
Außerdem fühle ich mich sehr wohl in dieser Mannschaft. Ich trainiere hier mit 15 weiteren Defensive Line Spielern, die alle sehr nett sind. Hier ist keiner eingebildet. Selbst die Stammspieler geben wir wichtige Tipps. Scott Osbourne kenne ich ja noch aus der vergangenen Rhein Fire Saison. Mit Spencer Folau, der 1997 für Fire spielte, habe ich mich auch schon einige Male unterhalten - ein prima Typ.
Leider habe ich mich gestern beim Training an der Schulter verletzt. Deshalb kann ich momentan nur ein wenig Fahrrad fahren. Aber nächste Woche bin ich sicher wieder fit und greife wieder voll an."

Peter Heyer

NFL-Tagebuch, Teil 2 -
Rhein Fire Profi Peter Heyer in New Orleans Arbeit bei den Saints ist professionell und knallhart
Ex-Fire-Star Michael Lewis musste ins Krankenhaus

Eintrag 2, Mittwoch, 30. Juli 2003:
Es stimmt: die NFL ist die professionellste Liga der Welt. Das kann ich nach nur fünf Tagen bei den new Orleans Saints beurteilen. Hier findest Du als Spieler die allerbesten Bedingungen vor. Der Umkleidetrakt ist so groß, dass ich manchen Spielerkollegen darin noch gar nicht begegnet bin. Nebenan gibt es Whirl Pool, Eisbad und Sauna - vom Feinsten.
In diesem Jahr haben die Saints auf ihrem Klubgelände sogar eine eigene, große Trainingshalle errichtet. Als gestern ein Gewitter aufzog, sind wir einfach 500 Meter gejoggt und schon konnten wir im Trockenen arbeiten. Beim Training haben wir Helfer, die mir in jeder Pause mit einem Handtuch den Schweiß aus dem Gesicht wischen und mir Wasser und Gatorade reichen. Der Flüssigkeitsverlust bei 35 Grad Hitze ist enorm. Ich trinke täglich mindestens sechs Liter.
Hier geht es knallhart zur Sache. Wir trainieren in voller Montur. Am Montag ist Michael Lewis, der 2001 für Fire spielte, beim Training so schwer mit Safety Mel Mitchell kollidiert, dass er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Glücklicherweise hat er sich nur eine leichte Nacken- und Rückenprellung zugezogen.


NFL-Tagebuch, Teil 1 –
Rhein Fire Profi Peter Heyer in New Orleans Lob vom Trainer bei 35 Grad Hitze

Eintrag 1, Montag, 28. Juli 2003:
„Ich bin vergangenen Mittwoch nach Zwischenstopps in Frankfurt und Chicago gut in New Orleans gelandet. Am Flughafen wartete schon ein Fahrer, der mich in mein Hotel brachte.
Samstag stand das erste Training auf dem Programm. Mein erster Arbeitstag in der NFL. Ich war anfangs ziemlich nervös. Doch das hat sich schnell gelegt, denn es läuft bislang richtig gut für mich hier. Ich erhalte pro Training fünf Spielzüge, bei denen ich mich zeigen kann. Bislang habe ich alle meine Aktionen perfekt umgesetzt. Der Trainer hat mich dabei sogar schon gelobt und gesagt: „Genauso will ich das sehen.“
Das gibt Auftrieb, denn das Programm bei den Saints ist knüppelhart. Morgens um 7 Uhr heißt es Aufstehen, um 8 Uhr gibt es Frühstück. Anschließend werden wir zum Training gefahren. Zwei Einheiten täglich und dazwischen drei Stunden Mittagspause. Abends noch die Meetings. Ein Arbeitstag endet bei den New Orleans Saints gegen 22 Uhr.
Hier unten, im Süden der USA, ist es richtig heiß - 35 Grad Celsius. Sobald Du die kühle Kabine verlässt, frisst Dich die Hitze fast auf. Doch wir können uns während des Trainings mit kaltem Wasser abspritzen und erhalten genügend Getränke. Mir geht´s blendend.“

Backflame  Saisonrückblicke